| Geschichte | Der Heimatverein wurde 1991 gegründet.
Das erste Ziel des Vereins war der Neubau unseres Dorfgemeinschaftshauses, um sein zweites Ziel, das Fördern des Gemeinschaftsleben, verfolgen zu können. |
| Projektbeschreibung: Dorfgemeinschaftshaus Mainbullau
Ausgangssituation Mainbullau ist ein Dorf, das im Zuge der Reformwut der sechziger und siebziger Jahre seine Orientierung verloren hatte. Die Schule verschwand, die politische Gemeinde wurde aufgelöst, die Gemeinschaftsräume sprich Schule und Bürgersaal wurden verkauft, das Dorf hatte sich an der Frage nach der aufnehmenden Gemeinde zerstritten, kurz: die gemeinschaftlichen Aktivitäten, die Mainbullau zuvor ausgezeichnet hatten, waren verschwunden. Zehn Jahre mußten ins Land gehen, bevor der Wunsch nach Räumen laut wurde, die Gemeinschaftlich genutzt werden konnten. Es waren junge Eltern, die 1986 merkten, daß in Mainbullau Räume fehlten; für Spiele, Feiern und verschiedenste Übungsformen. Ein Antrag bei der Stadt Miltenberg, in Mainbullau ein Gebäude mit entsprechenden Räumen zu errichten, stieß bei den Stadtvätern auf einhellige Ablehnung. Jetzt schien guter Rat teuer. Nach einiger Überlegung kamen die Mainbullauer auf die Idee, die Gemeinschaftsräume mit einem Feuerwehrhaus zu kombinieren. Die Planungen wurden vorangetrieben, Gespräche mit der Feuerwehrschule in Würzburg, als der zuständigen Stelle, erbrachten die nötigen Zusagen. Der Staatszuschuß wurde mit 60% angesetzt, aber wieder kam aus dem Rathaus die Absage, für Mainbullau war nicht soviel Geld im Stadtsäckel. Gründung des Heimatvereins Dann, im April 1991, wurde der Heimatverein Mainbullau e.V. gegründet und er stellte sich die Hauptaufgabe, den Bau des Dorfgemeinschaftshauses voranzutreiben. Der "Bote vom Untermain" titelte: "Dorfgemeinschaftshaus ist erstes Ziel des Heimatvereins". Der Gedanke war, einerseits dem Ortssprecher den Rücken zu stärken, wenn er Forderungen an die Stadt stellt, andererseits durch Feste feiern auch ein finanzielles Polster zu schaffen und nicht zuletzt auch eine Gruppe haben, die gegenüber der Stadt Miltenberg für versprochene Arbeitsleistungen geradestehen konnte. Vorgehensweise Die Arbeit wurde zweigleisig vorangetrieben, eine eigene Planungsgruppe arbeitete an Ideen und sorgte für ausgefeilte Vorlagen und Anträgen an die Stadtverwaltung; das Augenmerk lag jedoch darauf, Geld zu verdienen, um für die Kommune ein interessanter Projektpartner zu sein. Sympathiewerbung und Grundstockbildung Wichtig war auch, auf sich aufmerksam zu machen. So wurde ein Wochenende in Miltenbergs guter Stube, dem Alten Rathaus, geplant. Unter dem Titel "Mainbullau ein Stadtteil stellt sich vor" fand es im September 1991 statt. Zu diesem Zweck wurde eigens das sogenannte Dorffoto geschossen; es zeigt alle Dörfler vor ihrer frühgotischen Wehrkirche. "Ein ganzes Dorf auf einem Foto" schrieb am 20.9.1991 die Tageszeitung in ihrer Vorankündigung und nach dem Wochenende hieß es: "Statt einer Demonstration ging Mainbullau den Weg der Information." "Information" bedeutete hier in erster Linie eine Ausstellung, die zur Historie, zum Alltag, zur Flur, zum kirchlichen Leben und zu den Vereinen, sprich Feuerwehr und Heimatverein, Auskunft gab. Neben Information gab es, wie ein Plakat zur Veranstaltung sagte: Ländliche Speisen zu ländlichen Preisen. Außerdem, und das war sicher das Wichtigste: viele Gespräche zwischen Dörflern und Städtern. Im nächsten Jahr stieg das Dorffest, ganz zugeschnitten auf den Bau des Dorfgemeinschaftshauses. Zunächst hatten sich die Mainbullauer den Jahrhundertsturm "Wiebke" zunutze gemacht. Sie konnten im Stadtwald Holz für den geplanten Festhallenbau besorgen. Die Festhalle wurde mitten im Ort, zwischen Grübe (das ist der Dorfteich), Feuerwehrhaus und Milchhäusle errichtet. Büsche und Bäume ragten ebenso in die Halle, wie Telefonzelle und Briefkasten. Beide hatte man kurzerhand überdacht. Natürlich durfte hier nicht der kulturelle Teil fehlen. Eine Ausstellung beschäftigte sich mit dem geplanten Bau und den Bildstöcken in der Flur. 1993 und 1995 war Mainbullau wieder im Alten Rathaus präsent und warb um Sympathie. Dazwischen, 1994, wurde das Dorffest wiederholt. Auch die Planungsgruppe hatte ganze Arbeit geleistet, sie legte einen fertigen Plan vor. Die Stadtväter fanden, es sei ein schöner Plan, nur leider zu teuer. Nach heißen Diskussionen, entschieden sich die Mainbullauer, zunächst der Heimatverein, danach die gesamte Einwohnerschaft, in einer Bürgerversammlung, auf einen Neubau zu verzichten und nach dem Motto Lieber der Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach, der Stadtverwaltung den Umbau des Milchhäusle zu einem Gemeinschaftshaus vorzuschlagen. Gleichzeitig bot man einen finanziellen Zuschuß von 70.000DM und Eigenleistung von mehreren tausend Stunden an. Bei soviel Eigeninitiative sagten die Stadtväter zu und das große Projekt konnte in Angriff genommen werden. |
| Bauphase
Dann konnte die Arbeit endlich beginnen. Zunächst mußte das Gebäude ausgeräumt werden, dann galt es Zwischenwände zu entfernen, die Fliesen im Milchhäusle wurden abgeschlagen, Maueröffnungen zugemauert und neue gebrochen. Der Wasser- und Kanalanschluß mußte neu verlegt werden, Fundamente für den Toilettenanbau mußten eingebracht werden und das Dach erhielt eine komplette Neueindeckung mit einer neuen Isolierung. Besonders gefordert waren natürlich die ortsansässigen Handwerker, die natürlich schon bei der Planung intensiv eingebunden waren. Glücklicherweise gibt es in Mainbullau neben Planern auch Dachdecker, Schreiner, Maurer, Heizungsbauer und Elektriker. Da es an Hilfskräften in aller Regel auch nicht mangelte, konnte der Bau zügig voranschreiten. Als schwierig gestaltete sich bisweilen die Auswahl von Farben und Materialien. Ein besonderes Kapitel wurde schließlich die Küche. Die Mainbullauer, die, in Absprache mit der Stadtverwaltung, die Bauleitung selbst organisierten, entschlossen sich zu einer guten Ausstattung der Küche mit gewerblich nutzbaren Elektrogeräten. Solche Geräte haben jedoch ihren Preis, was im Stadtrat zu heftigen Diskussion führte. Ein Stadtrat ließ sich zu der Bemerkung hinreißen, in Mainbullau stehe die teuerste Küche im Landkreis. Trotz solcher Widerstände, mit dem Einbau der Küche näherte sich das Werk der Vollendung. Die Mainbullauer hatten etwas geschaffen, was in ihrer Ortsmitte eine wichtige Aufgabe erfüllen konnte. Über 3000 Arbeitsstunden und 70.000 DM Barmittel hatte die Dorfgemeinschaft erbracht um dieses Werk zu ermöglichen. Dazu kam ein Zuschuß der Kirchengemeinde in Höhe von 55.000 DM. Die Restkosten wurden von der Stadt Miltenberg getragen. Das Werk ist vollendet Am 23.6.1996 war es soweit: Das DGH (Dorfgemeinschaftshaus) wurde eingeweiht und in einer würdigen Feier seiner Bestimmung übergeben. Das gesamte Dorf feierte zunächst einen Gottesdienst, um dann gemeinsam mit Bürgermeister und Landrat das DGH einzuweihen. Das DGH verfügt zunächst über eine großzügige Toilettenanlage, diese kann auch für Veranstaltungen außerhalb des Dorfgemeinschaftshauses genutzt werden, z. B. Dorffest, Feiern am Maibaum, Grübespiele, usw. Die für größere Feiern ausgelegte Küche wurde bereits beschrieben, der eigentliche Saal ist nicht zu groß; mit Tischen bestückt weist er ca. 60 Sitzplätze auf, er verfügt über eine kleine Bühne und kann durch eine Doppelflügeltür nach außen erweitert werden, was bei diversen Veranstaltungen durch einen Zeltanbau auch bereits genutzt wurde. Im Obergeschoß befindet sich das Pfarrzimmer, die Kirchengemeinde hatte sich durch einen großzügigen Zuschuß an den Baukosten beteiligt, sowie ein Versammlungsraum, der häufig für die Feuerwehr, sowie für Wahlen genutzt wird. Nutzung Eine Versammlungsmöglichkeit für viele Anlässe, das war das Ziel gewesen; wurde es erreicht? Zunächst wird der Saal gerne und oft für private Feiern genutzt, sei es Kommunion, Geburtstage, Grüne, Silberne oder Goldene Hochzeiten. Eine wichtige Aufgabe hat das DGH für schnelle Zusammenkünfte, um z. B. das Endspiel der Fußball-WM gemeinsam anzuschauen oder als Treffpunkt der Senioren. Vom Heimatverein probt regelmäßig die Kindertanzgruppe, die Theatergruppe und die Tänzer, die aus einem Tanzkurs heraus, sich ab und zu zum Tänzchen treffen. Außerdem werden Vorträge zu Themen des Dorflebens organisiert und dann und wann wird kräftig gefeiert, wobei hier durchaus bewußt die örtliche Gastronomie auch berücksichtigt wird. Die Kirchengemeinde benutzt das Haus als Pfarrbüro, Tagungsraum für diverse Gremien und für Veranstaltungen, zu denen die gesamte Bevölkerung geladen wird. Die Freiwillige Feuerwehr hat im Obergeschoß ihren Tagungsraum, dort hält sie Schulungsabende ab, feiert im Saal bei vielen Gelegenheiten und bot auch schon einen Kurs in Erster Hilfe für Jedermann an. Auch die Gruppen des Bayerischen Bauernverbandes, hier besonders die Landfrauen, wissen die sich bietenden Möglichkeiten zu schätzen. So wurde schon ein Teppichknüpfkurs abgehalten, Blumengestecke gebunden und sich über sinnvolle Nutzung von Elektrogeräten informiert. Wichtig scheint auch zu sein, daß der Reinigungsdienst nach bewährtem dörflichen Muster reihum erledigt wird, d. h. dieser Dienst wird ehrenamtlich geleistet. Das DGH ist ein Teil des Mainbullauer Dorflebens, für das die Dörfler gekämpft, gearbeitet und gespart haben. Ein Haus, das aus dem Dorfleben nicht mehr wegzudenken ist. |